Artikel zum 2. AFT im April 2004Einige regionale Zeitungen berichteten über das AFT 2004.
Außerdem war ein Team des NDR (N3) vor Ort - für das
Schleswig-Holstein-Magazin wurde eine Reportage über das AFT
produziert.
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Einen Spiegel nach Newton auf ein15 000stel
Millimeter Genauigkeit schleifen und dann sein Teleskop selber
bauen, das kann Rüdiger Heinz (Mitte) aus Hamburg.
Foto: ez |
In Schleswig-Holstein können die Himmel in Sternennächten besonders klar
sein. Kein Wunder also, dass sich in diesem El Dorado für
Hobby-Astronomen auch Sternengucker aus der Region ab und zu treffen, um
nachts gemeinsam Planeten und Galaxien vom Aschberg aus zu betrachten.
Nach einem 1. Aschberg-Frühlingstreffen (AFT) 2003 gab es nun ein 2. -
mit über 100 Astronomen aus ganz Deutschland.
Die große Wiese hoch oben auf dem Aschberg war über dieses Wochenende Beobachtungs- und Schauplatz für rund 80 Teleskope unterschiedlicher Größe und Stärke. Auf Einladung von Organisator Armin Quante aus Eckernförde waren rund hundert Hobby-Astronomen aus dem gesamten Bundesgebiet zu diesem zweiten Acheffeler Frühlingstreffen (AFT) auf den höchsten der Hüttener Berge gekommen. Man wollte ein Wochenende lang gemeinsam Sterne und Galaxien aufspüren, fachsimpeln und Erfahrungen austauschen. Die Jugendherberge gleich nebenan bot Unterkunft für alle und das Terrain ringsum genügend Raum für Wohnwagen, Freisitze, die kostbaren Fernrohre und interessierte Tagesgäste. Für sie gab es nachmittags zudem zahlreiche Vorträge.
"Der Aschberg ist für uns hier in Norddeutschland geradezu ideal," schwärmt Mike Hammer-Kruse, Diplom-Physiker aus Kiel, seit Jahrzehnten begeisterter Astronom und der einzige weit und breit, der ein mobiles Planetarium besitzt. Der Aschberg sei ein besonders guter Beobachtungsplatz, erklärt er. Er sei weit genug von Eckernförde, Rendsburg und Kiel entfernt, so kann die nächtliche Stadtbeleuchtung die Himmelsbeobachtungen nicht behindern. Schließlich braucht man für gute Ausblicke in die nächtlichen Himmelstiefen absolute Dunkelheit ringsum. Da stört die "Licht-aus-Fraktion" jede noch so kleine Lichtquelle. Alle Taschenlampen auf dem dunklen Platz haben lediglich Rotlicht, und auch der Mond ist ausschließlich als Neumond gelitten. "Das Mondlicht am Himmel wäre einfach zu hell, da kann man kaum noch etwas anderes entdecken," erklärte auch Olaf Adler aus Lübeck.
Er ist im "richtigen" Leben Antiquar und seit seinem 12. Lebensjahr begeisterter Sterngucker. Von seinem ersten Geld hatte er sich damals sein erstes Teleskop für immerhin 1 000 Mark gekauft. Heute kosten gute Teleskope viele tausend Euro, und die meisten Astronomen bauen sie selber.
Auch Olaf Adler schwärmt vom Aschberg als Beobachtungsplatz: "Er ist hoch genug, so stört uns kein Bodennebel." Aber nicht nur der Ort war für alle angereisten Astronomen perfekt, auch die gewählte Jahreszeit kommt den Himmelsbeobachtern sehr entgegen. Hammer-Kruse: "Es ist jetzt nicht so kalt wie im Winter, und die Nächte sind noch nicht so kurz wie nachher im Sommer."
Sebastian Hönig aus Rieseby ist ebenfalls "Sternegucker" aus Leidenschaft. Er hat immerhin als erster Deutscher nach 50 Jahren einen Kometen entdeckt, der jetzt weltweit nach ihm "Komet Hönig" genannt wird.
Ein relativ hohe, unbewaldeter Berg, dunkel, kein Nebel, kein Mondlicht, genügend Nachtstunden, - was haben dann die Hobby-Astronomen die ganze Nacht getan? Sie haben voller Freude und Andacht mit ihren "vergrößerten und zigfach verstärkten Augen" den Nachthimmel durchstreift. Mit Hilfe von Spiegel- oder Linsenteleskopen wurde dabei nicht nur der Komet Hönig betrachtet, auch die nahen Planeten waren vorzüglich zu sehen. "Der Jupiter war eine wahre Freude! Wir konnten sogar zwei Schattendurchgänge von zwei Jupitermonden beobachten," schwärmte Torsten Krahn aus Lübeck. Auch der Saturn in 1,6 Milliarden Kilometern Entfernung war mit seinen Ringen und Zwischenräumen (Cassini-Teilung) deutlich zu sehen.
"Aber unsere Planeten sind nur der Vorgarten," so Hammer-Kruse, "wir wollen mit unseren Teleskopen bis tief in den "Deep Sky gucken können." Und alle, die ringsum sitzen, bekommen strahlende Augen, wenn sie dann von ihren Himmelsreisen aus der letzten Nacht berichten. Da ist von Sternenhaufen und Nebeln die Rede, vom Kugelsternhaufen (M 13) im Sternbild des Herkules, von Gas-, Hantel- und Ringnebeln, von einem Sternennebel (NGC 7 000), der in der Form von Nordamerika in einer Entfernung von 4000 Lichtjahren mit ganz speziellen Filtern zu sehen ist.
Hartwig Janus, Kieler Theologe und Journalist:"Gestern haben wir die Bärengalaxien mit unvollstellbar vielen Planeten und Sonnen in einer Entfernung von 10 Millionen Lichtjahren entdeckt. Und dahinter geht es noch weiter. Wir können manchmal noch Einzelheiten erkennen, die 100 bis 200 Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Da fängt man schon an zu überlegen, und manches wird einem bewusst."
Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 19.04.2004
Ascheffel, Jochen Senft
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Riesen-Teleskope ragten am vergangenen Wochenende
in den Himmel. Der Aschberg ist eine begehrte Adresse für
Astronomen.
Foto: ez |
Von Donnerstag bis Sonntag versammelten sich etwa 100 Hobbyastronomen mit
ihren 80 zum großen Teil selbst gebauten Spiegelteleskopen auf dem
Aschberg. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland.
Das Fernsehen berichtete davon, so dass viele zusätzliche Besucher kamen und sich selbst ein Bild machten. Sehr interessiert zeigte sich auch Pastor Sönke Funck aus Hütten. Der Aschberg eignet sich hervorragend für Sternbeobachtungen. Etwa zwanzigmal im Jahr verabreden sich Sterngucker spontan über E-Mail auf dem Parkplatz, bauen ihre mobilen Geräte auf und beobachten den Himmel.
Das größte Teleskop kam aus Selent, hat eine Brennweite von vier Metern, der Spiegel misst 76 cm im Durchmesser. Der Eckernförder Armin Quante hat sich sein Teleskop selbstgebaut mit einem Spiegeldurchmesser von 46 cm und einer Brennweite von 2,3 Metern. Der Spiegel wurde nanometergenau von Hand geschliffen.
Sein Sohn, acht Jahre alt, hat zum ersten Mal sein eigenes Teleskop und schaute auf Venus und Jupiter. Am späteren Abend wurde er vermisst. Sein Vater dachte, er hätte sich verlaufen. Da kam der Junge vergnügt aus einem Zelt, hatte sich einen Vortrag angehört und berichtete, was er gehört hatte.
Sehr großen astronomischen Aufwand betreibt Mike Hammer-Kruse aus Kiel. Er besitzt ein transportables Planetarium und finanziert es durch Vorträge z.B. in Schulen. Daran verdient er selbst keinen Cent.
Als Pfadfinder lernte er Sternbilder erkennen, nach Sternen zu wandern und wurde so zum Hobbyastronom. Einer von ihnen fliegt nächste Woche nach Namibia, um bei nachtklarem Himmel seltene Sterne zu sehen. Deren Licht - und nicht das des Mondes - strahlt dort so hell, daß sie auf dem Boden einen Schatten werfen.Mit ihren Kenntnissen sind sie dem Wissen eines normalen Sterblichen weit entrückt. So wurde in einem Vortrag von nachtleuchtenden Wolken berichtet, die am nördlichen Himmel in 83 Kilometern Höhe über der Erde mit bloßem Auge zu sehen sind. Wer hat je davon gehört?
Was treibt Männer dazu, so viel Zeit und Geld für Astronomie auszugeben? Begeisterung für Technik spielt eine Rolle. Männer reden nicht gern über Gefühle. Der Interviewer muß ein wenig nachhaken. Einer ist musisch veranlagt und nennt Romantik als Grund. Ein anderer ist immer noch erstaunt, als er vor Wochen einen Quasaren in 2,5 Milliarden Lichtjahren Entfernung gesehen hatte. Für ihn ist das unvorstellbar. Staunen mag ein Grund für viele sein. Staunen regt das Gehirn an und erhält jung. Jedenfalls kann man das älteren Sternguckern anmerken.
Sie sind wie eine freundliche große Familie, helfen sich gegenseitig und gehen sorgsam mit der Schöpfung um. Solche Menschen sind für den Aschberg wie geschaffen.
Das nächste Ereignis auf dem Aschberg ist das große Pfadfinder-Zeltlager zu Pfingsten.
Erschienen in der Eckernförder
Zeitung am 20.04.2004